Umstieg XP auf Linux

Probleme und Lösungen

Hintergrund

Nach dem Auslaufen des Supports für Windows XP stellt sich für viele Anwender mit einem XP Rechner die Frage: Was tun, wenn der Internetzugang mit einem nicht mehr unterstützten Betriebssystem zunehmend zu einem Sicherheitsrisiko wird. Hier ist ein Umstieg auf Linux eine Möglichkeit, das möglicherweise noch gut funktionierende Notebook oder den zuverlässig laufenden PC sicher weiter zu betreiben.

Leider gibt es beim Umstieg kleinere oder größere Schwierigkeiten zu bewältigen. Hier finden Sie eine Liste mit Problemen und Lösungen für den Umstieg auf Linux, genauer gesagt Ubuntu LTS die Ubuntu Version mit Langzeitunterstützung.

Warum UBuntu LTS Linux ?

Unabhängig von technischen Hintergründen hat die Linuxdistribution Ubuntu den entscheidenden Vorteil einer aktiven und anfängerfreundlichen Nutzergemeinde. Das Portal ubuntuusers.de hat einen riesigen Berg nützlicher Anleitungen und Tipps zu bieten, und beim rheinwerk Verlag gibt es ein umfassendes Handbuch zum Online-Lesen oder zum Download.

Die Langzeitsupportversion LTS hat zusätzlich den Vorteil, dass schon eine Menge Erfahrungswerte zu allen möglichen Einsatz-Szenarien auf verschiedenster Hardware existieren und damit die Wahrscheinlichkeit nochmal größer ist, bei Problemen eine Lösung zu finden. In den meisten Fällen findet man leicht mit einer einfachen Googlesuche Hilfe zu allen möglichen Fehlerbildern und Tipps zu Behebung. Im folgenden habe ich Problemlösungen zusammengetragen, die mir selbst beim Umstieg geholfen haben.

Probleme und Lösungen

Problem: Wie lässt sich eine Windows NTFS Datenpartition am besten permanent unter Ubuntu einbinden ?

Lösung:  Um eine Windows Partition permanent verfügbar zu machen, muss diese in der Datei /etc/fstab eingetragen werden. Dazu muss zunächst im Terminal mit

sudo blkid

die UUID der gewünschten Partition ermittelt werden, als Beispiel wird hier die UUID 7e5f51d1-b298-4b93-858c-004d425ff796 angenommen. Dann editiert man mit folgendem Befehl die fstab:

gksudo gedit /etc/fstab

In diese Datei trägt man dann folgende Zeile (ohne Zeilenumbruch) ein, um die gewünschte Partition beim Systemstart unter dem Verzeichnis /media/DATEN zur Verfügung zu stellen:

UUID=7e5f51d1-b298-4b93-858c-004d425ff796   /media/DATEN  ntfs   defaults,nls=utf8,fmask=117,dmask=007,uid=1000,gid=1000,windows_names  0  0

Leider sind in den meisten Ubuntu Foren oder Wikis nicht diese Mountoptionen angegeben, sondern andere Parameter, die diverse Probleme verursachen. Diese Lösung behebt auch folgende Probleme: "Der Papierkorb funktioniert nicht auf einer NTFS Partition" oder "Dateimanager fragt immer, ob Textdateien mit Endung .TXT ausgeführt werden sollen" oder "Windows Partition wird nicht automatisch eingebunden, sondern muss vorher erst im Dateimanager angeklickt werden".


Problem:  Es ist ziemlich mühsam, Scriptbefehle über die Zwischenablage in ein Terminalfenster zu kopieren.

Lösung: Das Gnome-Terminal bietet unter Bearbeiten/Tastenkombinationen die Möglichkeit, die Tasten für Kopieren und Einfügen frei festzulegen. Falls man nur gelegentlich auf der Befehlszeile arbeitet, ist es am einfachsten, hier die Standardkombinationen Strg-C und Strg-V zu definieren. Dann könenn Sie Terminalbefehle, die Sie beispielsweise aus Webseiten wie dieser kopiert haben, einfach wie gewohnt mit Strg-V auf der Kommandozeile einfügen. Allerdings sollten Sie beachten, dass Strg-C auch zum Abbrechen von Kommandos benutzt wird, so dass diese Tastenkombination evtl. besser nicht benutzt wird.

 


Problem: Sie können für bestimmte Anwendungen nicht komplett auf Linux umsteigen, sondern müssen Windowsprogramme unter Linux ausführen.
Lösung:
Die sicherste Möglichkeit, spezielle Windowsprogramm unter Linux zum Laufen zu bringen, funktioniert mit einer virtuelle Maschine. In einer mit Virtualbox eingerichteten virtuellen Maschine sind praktisch alle Windowsanwendungen problemlos ausführbar. Virtualbox kann aus den Paketquellen von Ubuntu eingerichtet werden. Für aktuellere Versionen ist es besser, das Programm separat von der Homepage des Projekts zu installieren.

Zur Vorbereitung der Virtualisierung legen Sie im laufenden Betrieb unter Windows mit dem Sysinternals Programm Disk2VHD eine virtuelle Festplatte an. Diese Festplatte können Sie dann unter Linux in Virtualbox an das virtuellen Windows Rechner anschließen und ohne große Umstellungen mit ihrer gewohnten Windowsumgebung weiterarbeiten.

 

 

Problem: Sie möchten Windows XP in Virtualbox verwenden ohne eine erneute Aktivierung bei Microsoft vorzunehmen.  
Lösung:
Wenn Sie Ihre Windowslinzenz zusammen mit einem Rechner eines großen PC Herstellers erworben haben, können Sie Windows XP auch ohne Neuaktivierung virtualisieren. Große Hersteller nutzen für Windows XP eine SLP (System locked pre-installation) Version, die eine bestimmte Zeichenfolge im BIOS ausliest.

Um Windows XP nun in Virtualbox weiterverwenden zu können, müssen Sie die notwendige Zeichenfolge in das Virtualbox BIOS hineinschreiben. Dafür müssen Sie zunächst das BIOS auslesen. Dazu laden Sie dieses Image einer Bootdiskette (BIOSDUMP.IMG) herunter, legen es in Virtualbox in ein virtuelles Diskettenlaufwerk ein und booten von diesem Diskettenimage neu. Folgen Sie dann den Anweisungen auf dem Bildschirm, um die Datei "BIOS.BIN" zu erzeugen, in der das Virtualbox BIOS gespeichert ist.

Mit Doppelklick auf die BIOSDUMP.IMG Image-Datei im Ubuntu Dateimanager öffnen Sie dann das Diskettenimage und kopieren die "BIOS.BIN" in das Verzeichnis Ihres virtuellen Windows XP. Mit dem Hexeditor GHex aus den Ubuntu Paketquellen öffnen Sie nun die Datei BIOS.BIN und tragen den sogenannten Vendor-String an der richtigen Stelle in das BIOS ein. Für ein Acer Notebook ist dies beispielsweise die Zeichenfolge "AcerSystem" an der Hex-Adresse "E000". Für andere Rechner finden Sie die Zeichenfolgen mit einer Googlesuche (falls Sie nicht fündig werden, kontaktieren Sie mich). Speichern Sie nun das modifizierte BIOS ab.

Als letzten Schritt fügen Sie nun das modifizierte BIOS mit folgendem Befehl ihrer virtuellen Windows XP installation hinzu:

VBoxManage setextradata "WinXP" "VBoxInternal/Devices/pcbios/0/Config/BiosRom" "pfad/zu/BIOS.BIN"

Ersetzen Sie dabei "WinXP" durch den Namen Ihrer virtuellen Windows XP Installation in Virtualbox und "pfad/zu/BIOS.BIN" durch den vollständigen Dateipfad zur BIOS Datei.

 

 

Problem: Audio CDs werden in Virtualbox nicht korrekt erkannt.  
Lösung:
Um Audio CDs unter Virtualbox zu nutzen, muß das optische Laufwerk des Linuxrechners mit der Option "Passthtrough" an den Windows Gast zur Verfügung gestellt werden. Diese Option finden Sie auf  dem Reiter Massenspeicher unter den  Einstellungen der virtuellen Windowsmaschine.

 

 

Problem: Sie möchten Windows Programme verwenden, ohne eine virtuelle Maschine einzurichten
Lösung:
Eine Alternative, um Windowsprogramme unter Linux zum Laufen zu bringen, ist Wine. Wine ist leider nicht zu allen Windowsprogrammen kompatibel, aber einen Versuch wert. Dazu muss zuerst Wine in der Version von WineHQ installiert werden:

wget -nc https://dl.winehq.org/wine-builds/Release.key
sudo apt-key add Release.key
sudo apt-get update
sudo apt-get install --install-recommends winehq-devel

Zum Test, ob die Installation erfolgreich war, startet man das Konfigurationstool von Wine

winecfg

Falls Fehlermeldungen zu Gnome-Keyring auftauchen, helfen folgende Nachinstallationen:

sudo apt-get install p11-kit-modules:i386
sudo apt-get install libp11-kit-gnome-keyring:i386
sudo apt-get install winbind samba

Jetzt können Sie mit

wine /pfad/zu/setup.exe

Windowsprogramme in Wine installieren.

 

 

Problem: Die Schriftdarstellung in Wine ist ziemlich verwaschen. 
Lösung:
Das lässt sich verbessern, indem man Subpixel rendering aktiviert. Dazu winetricks aufrufen mit

winetricks

Im Menu zunächst "Standard Wineprefix auswählen" und dann "Wine Einstellungen ändern" anklicken. Der Liste nach "Fontsmooth=RGB" suchen und anklicken, dann mit OK bestätigen. Wenn die Schrift nicht besser aussieht, stattdessen auch  "Fontsmooth=BGR" oder "Fontsmooth=disable" versuchen.

 

Onleihe: Adobe Digital Editions in Ubuntu installieren und mit E-Book Reader verbinden

Um neuere Bücher aus der Online-Bibliothek Onleihe ausleihen zu können, muss eine aktuelle Version von Adobe Digital Editions (ADE) installiert sein. Ab Version 3 funktioniert ADE nicht mehr unter XP und es gibt keine Linuxversion, so dass Wine die einzige Möglichkeit ist, das Programm zum Laufen zu bringen.

Zunächst muss dazu Wine installiert werden. Dann lädt man das Skript Winetricks herunter:

cd ~/bin
wget  https://raw.githubusercontent.com/Winetricks/winetricks/master/src/winetricks
chmod +x winetricks

Anschließend den EBookreader verbinden und ein neues Wineprefix für ADE erstellen (Ein Wineprefix ist im Prinzip wie eine virtuelle Maschine mit einer separaten Windowsinstallation) und konfigureren:

WINEPREFIX=~/.wineade WINEARCH="win32" winecfg

Für das ADE Wineprefix sind folgende Einstellungen in der Wine Konfiguration notwendig: Unter dem Reiter "Grafik" die Option "Emuliere einen virtuellen Bildschirm" aktivieren. Unter "Laufwerke" mit "Hinzufügen..." einen neuen, freien Laufwerksbuchstaben (zum Beispiel "P:") erstellen. Diesen Laufwerksbuchstaben anklicken und unter "Pfad" den Pfad eingeben, unter dem der Ebookreader im Dateisystem eingebunden ist (normalerweise etwa "/media/username/Reader"). Dann "Erweitert anzeigen..." klicken und als "Typ" für den Laufwerksbuchstaben "Diskette" auswählen.

Anschließend kann mit Winetricks die notwendige Software installiert werden

WINEPREFIX=~/.wineade WINEARCH="win32" winetricks

Es erscheint ein Menü, aus dem "Ein Programm installieren" gewählt wird. Zunächst wird Firefox installiert, damit man die Onleihe Internetseite damit aufrufen kann. Danach kann man versuchen Adobe Digital Editions 4.5 zu installieren. Es kann gut sein, dass dies fehlschlägt. Ein typisches Fehlerbild ist, dass Adobe Digital Editions beim Start meldet, dass es angeblich bereits läuft. In diesem Fall kann man den Installer für  ADE 4.5.0 von Filehippo.com probieren. Nach dem Download der Datei ist das Setup wie folgt zu starten:

WINEPREFIX=~/.wineade WINEARCH="win32" wine ~/Downloads/ADE_4.5_Installer.exe

Wenn alles funktioniert hat, sollte anschließend sowohl eine Desktopverknüpfung für Firefox als auch für Adobe Digital Editions vorhanden sein. Mit dem unter Wine laufenden Firefox kann nun die Onleihe Webseite der gewünschten Bibliothek aufgerufen werden. Beim Download eines E-Books sollte nun für die heruntergeladene ".acsm" Datei das Öffnen mit Adobe Digital Editions angeboten werden. Bitte beim Herunterladen Geduld haben, ADE arbeitet selbst auf aktuellen Rechnern unter Wine sehr langsam. 

Um heruntergeladene Bücher auf den Ebookreader zu übertragen, diesen nach dem Verbinden zuerst in Ubuntu einmal öffnen und erst danach ADE starten. Der Reader sollte dann in der ADE Bibliothek unter der Rubrik "Geräte" auftauchen. Falls etwas nicht funktioniert, kann man ein Programm mit Wine auch wieder deinstallieren

wine uninstaller

Die Schriftdarstellung in Wine ist zunächst ziemlich verwaschen. Das lässt sich verbessern, indem man Subpixel rendering aktiviert. Dazu winetricks aufrufenmit

WINEPREFIX=~/.wineade WINEARCH="win32" winetricks

Im Menu zunächst "Standard Wineprefix auswählen" und dann "Wine Einstellungen ändern" anklicken. Der Liste nach "Fontsmooth=RGB" suchen und anklicken, dann mit OK bestätigen. Wenn die Schrift nicht besser aussieht, stattdessen auch  "Fontsmooth=BGR" oder "Fontsmooth=disable" versuchen.

Viel Spaß !

 




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